Warum mich die Philippinen enttäuscht haben

20.01.2020

Ich bin genervt. Genervt von den Philippinen, weil es mit mir und dem Land einfach nicht klappen will.

Und ich habe Durst. Und das schon seit einer dreiviertel Stunde. Deswegen habe ich mir ein Glas Wasser bestellt. Gekommen ist es bisher nicht, aber das sollte mich nicht mehr überraschen. Auf Essen habe ich in den letzten drei Tagen regelmäßig zwei Stunden gewartet. Als es ankam, war es meist kalt und schlecht. Mit der Philippinischen Küche will ich mich nicht richtig anfreunden, dabei liebe ich doch Reisgerichte! Curry ist selbst nach monatelangem Dauerkonsum in Südostasien immer noch meine Leibspeise.

Neben dem Essen will auch einiges anderes, was mit Service zu tun hat, nicht klappen. Natürlich sind die Philippinen kein westliches Land und es sind andere Standards zu erwarten. Aber tagelange Unorganisiertheit an fast jeder Stelle sind nun mal sehr anstrengend für Reisende. Die Unterkünfte, in denen ich übernachte, sind meist unhygienisch, haben kein rinnendes Wasser und eine Dusche, die nur drei Wasserstrahlen zum Haarwaschen bietet. Auch WLAN gibt es meistens keines oder nur sehr schlechtes. Natürlich soll und will ich auf Reisen nicht die ganze Zeit am Handy hängen aber Kontakt zur Außenwelt ist zumindest einmal täglich notwendig für mich, auch um anstehende Aufgaben abarbeiten zu können.

Gestern wollten wir hier, in El Nido eine der bekannten Bootstouren machen. El Nido gehört zu den touristischen Orten der Philippinen und ist ein Must-see bei einer Reise durchs Land. In der Stadt selbst gibt es nicht viel zu sehen, alle fahren mit dem Boot zu den umliegenden Inseln, um sich die Landschaft anzusehen, so auch wir.

So eine schlecht organisierte Tour habe ich noch nie erlebt

Nach unkonkreten Zeitangaben sitzen wir um 9:00 am Strand und warten auf unser gebuchtes Boot. Neben uns sitzen noch etwa 200 andere Leute die warten, alle haben wir dasselbe Ziel: auf eines der unzähligen Boote zu kommen, die direkt vor unseren Augen liegen. Eine Stunde vergeht, bis das erste Boot bestiegen wird. Niemand gibt uns Informationen, wir müssen noch weiter ausharren. Schließlich schwimmen wir zu einem uns zugeteilten Boot. Ja, schwimmen mit Kamera, Handy und Handtuch in der Strandtaschen am Kopf balancierend. Im Boot warten wir weitere ein ein halb Stunden, bis dem Organisator auffällt, dass er 34 statt 20 Personen an Bord hat. 14 Passagiere müssen das Boot verlassen, einige davon haben schon bezahlt. "Maybe" bekommen sie das Geld zurück, "Maybe" dürfen sie die Tour auf einem Ersatzboot mitmachen. Auf meine Frage, wann wir denn losfahren würden, schließlich warten wir seit 9:00 am Strand, jetzt ist es kurz vor 12:00, lautet die Antwort "today". Mit etwas mehr als drei Stunden Verspätung starten wir. Die Stimmung ist am Nullpunkt, so eine schlecht organisierte Tour habe ich noch nie erlebt.

Leider geht es in dem Stil weiter. Ich habe wirklich keine außergewöhnlich hohen Ansprüche, schließlich war ich mit dem Rucksack schon fast in ganz Südostasien und habe dabei definitiv nicht in Luxusresorts übernachtet. Aber auf eine Ameisenstraße und Kakerlaken im Zimmer würde ich gerne verzichten.

Die Landschaft ist natürlich schön hier, es sind immer noch die Philippinen. Aber sie enttäuschen mich leider. Vielleicht habe ich schon zu viele Länder bereist, vielleicht zu hohe Erwartungen. Aber hier gibt es nichts, was ich nicht schon in einer ähnlichen Version in einem anderen südostasiatischen Land gesehen habe. Und in besagten anderen Ländern muss ich nicht den gesamten Nachmittag blockieren, um einen Fruchtshake zu bekommen und zu bezahlen, dafür muss man den Servicekräften nämlich auch meist lange nachlaufen.

Die Philippinen als Geheimtipp weiterempfehlen würde ich nicht. Die Anreise ist es einfach nicht wert. Billig ist es hier allemal, aber man bekommt auch das, wofür man zahlt. Sich mal etwas Schöneres um ein bisschen mehr Geld gönnen ist hier leider, meiner Erfahrung nach, nur eingeschränkt möglich. Um die Zeit in den Philippinen genießen zu können muss man schon ein echter Abenteurer sein. Vielleicht bin ich das nicht (mehr).