Wie ein Tsunami diese kleine Tropeninsel beutelte

03.01.2020

Es ist der 24. Dezember, 23 Uhr, als die Philippinen erschüttert werden. Der Taifun Ursula erreicht den südostasiatischen Inselstaat mit 150 Stundenkilometern. Am härtesten wurde der Norden von Cebu getroffen, unter anderem die kleine Insel Malapascua.

Die winzige Insel ist ein Tauchparadies, aber auch über Wasser lässt es sich gut aushalten. In knapp ein einhalb Stunden hat man das kleine Stückchen Erde umrundet. Der Tourismus ist auf einen Strand mit Promenade im Süden der Insel beschränkt. Auf dem Rest des Eilands leben die Einheimischen in engen Communitys zusammen, die Kinder spielen auf Sportplätzen oder zwischen den Häusern.

Nicht alle aber haben noch ein Zuhause. Die Hütten, die wie zusammengesteckt wirken, liegen teilweise plattgedrückt am Boden. Nur ein großes Metallstück, das wohl einst als Dach gedient hat, und ein paar Holzpfeiler liegen noch an einem der Grundstücke herum, dass ich bei einem Inselrundgang entdecke.  

Weihnachten fällt dieses Jahr flach. Die Inselbewohner feiern die Geburt Jesu um Mitternacht auf den 25.Dezember. Genau, als der Taifun über ihren Köpfen wütete. Dieses Jahr muss der Weihnachtsmann eine Menge neuer Häuser und Boote bringen, denn auch davon sind einige zerstört. "Vor dem Taifun hatten wir 100 Boote, jetzt noch 20" meint ein Tauchführer.

Touristen gibt es hier immer noch, die Inselbewohner sind dankbar für jeden, der die Insel selbst jetzt besucht. Die Hochsaison hat gerade erst begonnen, so kann ein Taifun gerade zum jetzigen Zeitpunkt ein größeres Minus in die Kassen reißen, wenn die Touristen ausbleiben. "Der Strand sie normalerweise viel schöner" weiß unser Rezeptionist und bedankt sich für unser Kommen. Hinter den Standliegen der Urlaubenden wird Laub weggeschafft, beim Mittagessen im Strandlokal das Dach wieder montiert und Fruchtshakes gibt es nur mehr in einer Sorte, mehr Früchte seien im Moment nicht vorhanden.

Malapascua schafft einige ihrer Lebensmittel und Notwendigkeiten mit Booten aus dem nahegelegenen Hafen in Nordcebu heran. Die Überfahrt dauert etwa eine halbe Stunde. Bei unserer Fährfart sitzen wir zwischen Softdrinkflaschen, Reis und einem lebenden Schwein. Der Wellengang für eine Überfahrt sei am 24. zu hoch gewesen, so ein Inselbewohner. Er habe sich ein Hotelzimmer auf der Nachbarsinsel nehmen müssen und dort die Nacht ausharren, Weihnachten mit der Familie sei nicht möglich gewesen.

Die Insel befand sich im Auge des Sturms und so passiert etwas Seltsames. Zwischen zerstörerischen Kräften gab es eine Verschnaufpause. "Zehn Minuten lang war es ganz still. Kein Wind, der Himmel war klar und ich ging raus, um zu Rauchen" berichtet ein italienischer Restaurantbesitzer. Während des Taifuns war sein Restaurant voll, die Touristen wollten den Weihnachtabend genießen. So ging es auch der Chefin eines Schweizer-Italienischen Restaurants. "Die Gäste wollten gar nicht gehen!" Wir mussten sie wiederholt bitten, das Restaurant zu verlassen, um Sicherheit zu gewähren. Sie wollten noch ihre Flaschen Wein austrinken und den ausgelassenen Abend genießen". Die Terrasse des Restaurants ist auch Tage später nicht wieder hergestellt, das Wasser drang wenige Tage zuvor bis an den Speisesaal. Am nächsten Tag serviert die Besitzerin des Restaurants wieder Pasta und Raclette auf höchstem Niveau, es muss ja weitergehen.

Nur sieben Jahre ist es her, als die Bewohner Malapascuas ein ähnliches Schicksal erlitten. Ein noch zerstörerischer Taifun war damals über die Insel hinweggezogen. Zerstörung in diesem Ausmaß gehört hier zur traurigen Realität und so krempeln die Inselbewohner ihre Ärmel hoch und bauen ihre Insel wieder auf. Jeden Tag merkt man einen deutlichen Fortschritt. Bei unserer Abreise nach drei Tagen auf Malapascua hängen sogar die chinesischen Laternen zwischen den Palmen wieder.