Laos: Schlimmer gehts immer

06.12.2020

Niemals hätte ich vor ein paar Monaten gedacht lassen, dass ich mal in einem kleinen Dorf in Laos aufwache. Ehrlich gesagt, hätte ich es mir auch vor einer Woche schwer vorstellen können, ich hatte eigentlich nicht mal vorgehabt, nach Laos zu reisen.  

22 Stunden im Bus

Aber wie es der Zufall so will, oder eine 22-Stunden Busfahrt, landete ich nach Thailand in Laos. Ja, du hast richtig gelesen. Die Busfahrt dauerte 22 Stunden. In dieser Zeit hätte ich eigentlich auch nach Österreich fliegen können, nicht nur in ein Nachbarland Thailands. Nach den ersten zehn Stunden im Minivan an die Grenze war ich noch etwas zu euphorisch. Die Fahrt war doch gar nicht so schlimm gewesen! Die Landschaft war interessant, ich hatte Bücher zu lesen, und endlich Zeit mal ein bisschen über das Leben zu philosophieren. Wie schnell sich meine Meinung noch ändern würde.

Sonntagspreis

An der Grenze angekommen, mussten ich und die anderen Businsassen durch den üblichen Wahnsinn bei Grenzübergängen an Land. Man wollte mir beispielsweise einen Dollar mehr für das Visum verrechnen, weil Sonntag war. Blöd nur, dass Samstag war, was ich der Frau hinter dem Schalter nur mühsam klarmachen konnte. Kaum hatte sie verstanden, worauf ich hinauswollte, musste man plötzlich an beiden Wochenendtagen mehr bezahlen.

Auf der laotischen Seite der Grenze wurden wir in ein Tucktuck gepfercht, wo wir bibbernd saßen und auf unsere Abfuhr warteten. Und warteten. Und warteten. Der Fahrer war nirgends in Sicht, und auch sonst gab es auf dem Platz, an dem wir nach dem Grenzübergang ausgespuckt wurden, nicht wirklich Alternativen. Wir warteten also weiter. Nach rund einer Stunde, in der uns weder jemand gesagt, noch gedeutet, noch irgendwie wissen hat lassen was los ist, kam plötzlich eine ganze Horde weiterer Backpacker, die zu uns ins Tucktuck geschoben wurden. Blöderweise hatten aber nicht alle Platz - wäre es nicht praktisch gewesen jene vier Personen, die gerade eine Stunde in der Kälte gewartet haben früher fahren zu lassen? Aber gut, man will die laotische Transportstrategie nicht hinterfragen, es liegt sicher ein ausgeklügeltes Konzept dahinter.

Backpacker-Taufe

Wir sollten in einen Bus umsteigen, der meine schlimmsten Träume wahr werden lassen würde. Es handelte sich um einen dieser Nachtbusse, die man nur aus Legenden von bereits erfahreneren Backpackern kennt. Einer dieser besonders engen Exemplare, in dem man sich ein Miniaturbett mit einem komplett Fremden teilt. Ein fragwürdiges Konzept. Denn: Wenn ich, ein eher kleineres, jetzt nicht unglaublich korpulentes 18-jähriges Mädchen nur sehr schwer genügend Platz in diesem Bett finde, wie soll das dann für andere Personen funktionieren? Mein Bettnachbar war nett, wir haben uns in der Stunde, in der wir bibbernd an der Grenze auf Weitertransport warteten, schon zwangsläufig kennengelernt, es hätte definitiv schlimmer kommen können. Trotzdem kann man sich vorstellen, dass die Nacht nicht gerade die angenehmste war. Stundenland wurden alle Fahrgäste in ihren Betten herumgerüttelt, alle 30 Sekunden kam die nächste Kurve. 

Nach etwa zwei Stunden Schlaf wurde ich genauso liebevoll von dem Busfahrer aufgeweckt, wie man es sich um fünf Uhr morgens vorstellt und stolperte verwirrt mit den anderen Reisenden aus dem Bus. Dort war ich sogar zu müde um mich darüber aufzuregen, dass wir erneut eine halbe Stunde in der Kälte in einem Tucktuck sitzend warten musste, bis sich ein Taxifahrer erbarmte uns ins Stadtzentrum zu unseren Hotels zu fahren.

Die nächste böse Überraschung

Müde fiel ich für zwei Stunden ins Bett und nahm nach dem Aufwachen das erste Mal wieder Kontakt mit der Außenwelt auf. Brav antworte ich auf Nachrichten, bis mein Handy einfach schwarz wurde und es auch blieb. Panisch versuchte ich es zu entsperren, anzumachen und anzustecken aber - nichts. Als ich einen Hostelangestellten nach Rat fragte, empfiehl dieser mir nur nach Vientiane zu fahren, der Hauptstadt von Laos, die neun Stunden entfernt ist. Gut, danke für den Tipp, werde ich im Kopf behalten.

Mit meinem kaputten Handy in der Hand stapfte ich aus dem Hostel und versuchte mir auf eigener Faust Hilfe zu holen. Am Weg wollte ich noch bei einem Automaten stoppen und mich mit dem Vermögen an Geld ausstatten, das mir bei der Reparatur bestimmt abgezockt werden würde. Der erste Automat spuckte meine Karte wieder aus. Der Zweite auch. Der Dritte auch. Und langsam bekam ich es mit der Angst zu tun. Ich war hier in Laos, einem Land, das definitiv nicht sehr entwickelt war, hatte kein Handy und kein Geld. Wenn ich mich zu sehr in diese Situation reinsteigerte, konnte ich mich schon sehen, wie ich als Bettlerin auf den Straßen Laos ende, ohne Möglichkeit nach Hause zu kommen oder irgendjemanden zu kontaktieren.

Aufgeben ist keine Option

Ich versuchte mich weiter nach einer Möglichkeit umzusehen, mein Handy reparieren zu lassen. Und das in einer Stadt, in der es nicht mal Supermärkte gab, weil man alles am Markt kaufte. Wie durch ein Wunder betrat ich schließlich ein Etablissement für das die Formulierung "Geschäft" echt übertrieben gewesen wäre, und versuchte der Angestellten mit Händen und Füßen zu erklären, was mit meinem Handy passiert war. Soweit ich es verstanden hatte, schlug sie vor, das Display auszutauschen. Ich war mir aber nicht sicher, ob ich unser Gespräch richtig verstanden hatte, das halb in Zeichensprache, halb auf englisches Gespräch geführt worden war. Und sie schien sich nicht sicher, ob ihr Plan überhaupt funktionieren würde. Aber gut, mir blieb nichts anderes übrig als mein Handy einer Angestellten eines "Geschäfts" am Straßenrand zu überlassen und irgendwo Geld aufzutreiben um die Reparatur bezahlen zu können.

Und hier kommt die große Komponente ins Spiel, die die Geschichte ein bisschen entdramatisiert: Ich war seit Thailand mit drei Freundinnen aus Neuseeland unterwegs, die mich so lange mit Geld versorgen konnten, wie ich es brauchte. So wie es aussah, würde ich also doch nicht als Bettlerin auf den Straßen Laos´ enden müssen.

Betend kam ich eine Stunde später wieder im Handyshop an und wurde von der lächelnden Frau mit meinem wieder funktionierenden Handy begrüßt. Ich hätte weinen können vor Erleichterung!

Mein Geldproblem hingegen zog sich noch ein paar Tage hin. Nachdem ich endlich meine Mama erreichen konnte, die von Österreich aus meine Bank kontaktieren konnte, sagte diese, es wäre alles in Ordnung mit meiner Karte und ich sollte problemlos Geld abheben können. Ich solle einfach weiter jeden Geldautomaten probieren. Gesagt getan. Nachdem ich bereits sieben verschiedene Automaten-Anbieter ausprobiert habe, die meine Karte wieder ausgespuckt haben, machte ich mich eher halbherzig für meinen nächsten Versuch an der achten Maschine auf. Aber oh Wunder - es funktionierte! Ich fühlte mich wie ein Millionär! (war ich genau genommen auch, das geht in Laos wirklich einfach, wenn man über 100 Euro abhebt)

Jetzt habe ich jedes Mal ein Glückserlebnis, wenn tatsächlich Geld aus dem Automaten kommt. Tja, wie einfach man mich in Zwischenzeit zufrieden stellen kann...