Tiflis und Baku - mysteriöse kaukasische Hauptstädte

03.12.2020

Tiflis. Schon der Name von Georgiens Hauptstadt klingt geheimnisvoll. Bevor ich Georgien und Tifllis besuche, weiß ich wenig über das Land. Schon bei der Fahrt in die Stadt, bei der mich die Abendsonne begrüßt, bin ich hin und weg. 

Tiflis ist hügelig, überall geht es auf und ab, wodurch das Stadtbild lauter Überraschungen birgt. Durch die Stadt fließt der Fluss Mtkavari, auf dem Wasser schaukeln schwimmende Bars und Restaurants. Bei der Fahrt durch die Stadt kann ich immer wieder futuristische Gebäude erspähen, die auf den ersten Blick deplatziert wirken. Aber so ist Tiflis- eine Stadt zwischen Vergangenheit und Zukunft, die beides so überraschend verbindet. Die Reiseleiterin erzählt, dass einige Bewohner alles andere als begeistert von den architektonisch bemerkenswerten Gebäuden waren. "Sie passen nicht ins Stadtbild" soll es geheißen haben, so hat eins der besonders bemerkenswerten Gebäude bis heute keinen Nutzen und steht leer und riesengroß im Zentrum der Stadt.

Bemerkenswert sind die einladenden, die Tiflis´ Häuser vorgebaut haben. Vielleicht sind sie es, die Tiflis für mich so gemütlich machen. Einen Spaziergang über eine der futuristischen Brücken der Stadt führt mich zu einer Gondelstation. Mit der Seilbahn geht es aus der Stadtmitte über Hausdächer bergauf. Ziel ist ein Hügel, der die gesamte Stadt überblickt. Von hier kann man erst erfassen, wie hügelig und vielseitig Tiflis wirklich ist. Hinunter geht es von dem Aussichtspunkt zu Fuß. Beim genaueren Hinsehen wirken sie Häuser und vor allem Hausdächer der Stadt jetzt ein wenig fragil. 

Bei einem nächtlichen Stadtspaziergang jenseits der Touristenmeile kommt eine andere Seite von Tiflis zum Vorschein. Ähnlich wie in manchen Ländern Südeuropas ist so manches hier "malerisch Zerfallen". Am am Weg zum Abendessen fahren am nächsten Abend durch hässliche Hochhäuserschluchten und Plattenbauten. Da die Altstadt verhältnismäßig klein ist, lebt hier wohl der Großteil der 1,2 Millionen Einwohner. Ein starker Kontrast zu dem liebevoll wirkenden Stadtzentrum.

Hypermoderne Bauten, in die Jahre gekommene Kommunismus-Architektur und liebevoll gestaltete Altstadthäuser. All das ist Tiflis. Von allem mehr, als ich erwartet habe.

Großstadtwahnsinn in der Wüste: Baku

Die Reise geht weiter nach Aserbaidschan. Das Zittern an der Grenze überstanden, erreiche ich den Großstadtwahnsinn Baku. Was sich hier, mitten in der Wüste, abspielt ist wirklich verrückt. Mit zwei Millionen Einwohnern ist Baku die größte Stadt des Kaukasus. Nach einem Erdbeben in der ehemaligen Hauptstadt wurde Baku im 12. Jahrhundert zum neuen Zentrum des Landes ernannt. Der Reichtum von Aserbaidschan ist nicht zu übersehen. Ölscheiche haben ihr Geld in Gebäude gesteckt, die man nur baut, wenn man zu Hause ein paar Millionen rumliegen hat.

Einige der Gebäude sind im Pariser Stil gebaut. Sie sehen wirklich exakt so aus, wie Häuser der französischen Hauptstadt. Bakus Pariser Häuser haben eine perfekte Fassade und weisen keine altersbedingten Merkmale auf, wie manche Bauten in Paris es tun. Zwischen den großen Hauptstraßen gibt es angelegte, gut gepflegte Parks. Grüne Oasen zwischen Hochhäusern.

Baku beeindruckt. Die Altstadt, umgeben von einer Stadtmauer, tut es genauso wie die riesige Fußgängerzone, in der es stets von Menschen wimmelt. Sie verläuft durch größere Plätze und Geschäftsstraßen bis zur Promenade am kaspischen Meer. Zwischen Hochhäusern ist diese Fußgängerzone ein Ort zum Atmen. Freitagabends sitzen Bakus Einwohner auf der kleinen Steintribüne, die ins Meer führt. An diesem Abend im August sind faszinierend viele Menschen auf der Straße. Familien, Jugendliche, Paare - sie alle schlendern durch Aserbaidschans Hauptstadt. Überall scheint etwas zu passieren. Die Stadt strebt nach einer großen Zukunft, hat viel vor und bereits viel erreicht. Man kann Baku durchaus mit Dubai vergleichen. Hier spürt man aber auch einen Hauch Europa, das Land gibt sich liberal und offen.

Warum Baku noch nicht im Mainstream Tourismus Europas angekommen ist? Vielleicht, weil die Gegend immer noch verrufen ist? Weil es mit vier Stunden Flugzeit von Mitteleuropa aus doch ein wenig weit für einen Wochenendtrip ist? Ich kann es mir nicht erklären. Einen Besuch sowohl in Baku, als auch in Tiflis kann ich wärmstens empfehlen.