Was hat Armenien zu bieten?

21.10.2019

An was denkst du, wenn du an Armenien denkst?

Wenig, wahrscheinlich. Aber eigentlich ist das schon mal gar keine so falsche Einschätzung.

Denn wirklich viel hat das Land meiner Meinung nach nicht zu bieten.

Unsere Reise beginnt in Jerewan, die Hauptstadt des Landes. Hier leben mit 1,4 Millionen Menschen etwa die Hälfte der Bevölkerung des kleinen Landes. Die Fläche von Albanien macht nur etwas mehr als ein Drittel der Fläche von Österreich aus. Die Hauptstadt Jerewan hat mich nicht wirklich begeistert. Der kommunistische Baustil und die damit verbundene Vergangenheit war zu bemerken aber nicht so deutlich, dass es das gesamte Stadtbild ausgemacht hätte. Durchaus gab es auch lebhafte, quirlige Teile der Stadt wie den riesigen Hauptplatz und eine Prunkstraße. Mehr als diese paar Orte aber auch nicht. Jerewan wurde durch ein starkes Erdbeben 1988 stark zerstört und so sind die meisten Gebäude der Stadt neu. Neu heißt in dem Fall aber nicht modern. Jerewan bleibt so für mich eine Stadt, bei der nicht viel in Erinnerung bleiben wird.

Weg von der Hauptstadt geht es in das Hinterland. Auf dem Weg zieht die Landschaft im gewohnten Anblick vorbei. Wir fahren durch Wälder, die so auch in Mitteleuropa stehen könnten. Teilweise ziehen aber Steppenähnliche Landschaften draußen vorbei. Landschaftsmäßig aber nichts, was ich als überaus sehenswert einstufen würde. Wir sind auf dem Weg zu Sehenswertem. Und zu sehen gibt es hier vor allem viele verlassene Klöster. Zerfallen oder neu, Groß und Klein, interessant oder beim fünften Kloster dann eben nicht mehr. Ich muss zugeben, die Klöster sind teilweise schön in der Natur gelegen und sind in abgeschotteten Gebieten. Aber hat Armenien nicht mehr zu bieten als Klöster?

Ja, zum Beispiel den Sevansee. Der riesige See ist sogar der zweitgrößte Hochlandsee der Welt und der ganze Stolz der Armenier. Das Wasser ist schön Türkis aber kalt. Baden geht hier fast niemand. Auch Ferienhäuser zu bauen, ist an dem See verboten, hier soll niemand wohnen. So sieht also selbst dieser grundsätzlich schöne See etwas trostlos und verlassen aus.

Ich google nach "Things to do" in Armenien. Alle gesehen. Es liegt also nicht daran, dass ich mir die falschen Dinge angesehen habe. Es gibt einfach nicht mehr.

Geschichtlich hat das Land viel mitgemacht. Von hier auf dem Landweg zu den Nachbarsländern Azerbajan oder Türkei zu kommen ist unmöglich. Die Grenzübergänge sind gesperrt. Azerbajan und Armenien sind seit 1918 im Konflikt über die Zugehörigkeit der Provinz Bergkarabach. Die Region liegt heute in Azerbajan, erklärte sich unabhängig - wird aber von keinem Mitgliedstaat der Vereinten Nationen angesehen. Nach einem Besuch in Azerbajan wird einem die Reise nach Armenien verweigert, in umgekehrter Reihenfolge soll es möglich sein.

Auch mit dem Nachbar Türkei sieht es nicht rosiger aus. Systematisch wurden die dort lebenden Armenier aus der Ost-Türkei vertrieben und getötet. 1915 kamen schätzungsweise bis zu 1,5 Millionen Armenier durch die Türken ums Leben. Zum Massaker wird bis zum heutigen Tag von der Türkei geschwiegen und die Taten werden seitens der Türkei nicht als Völkermord anerkannt.

Keine Einfache Vergangenheit für die drei Millionen Armenier. Geschichtlich gesehen ist es unglaublich interessant über Armenien zu lernen. Das kann man aber auch von zu Hause tun. Denn auf der Liste der Länder, zu deren Besuch ich anraten würde steht es leider weit unten.