Was man in Malaysia alles falsch machen kann.

06.12.2020

Von all den Ländern, die ich in Asien bereist, habe gleicht Malaysia Europa am meisten. Die Busse sind angenehm, sauber und geräumig, es gibt Toiletten mit Sitzen, neben denen auch noch Toilettenpapier vorhanden ist, man kann die Straße großteils überqueren, ohne davor ein Stoßgebet an den Himmel zu schicken und die Chancen stehen nicht schlecht, dass man sich auf Englisch problemlos unterhalten kann! Malaysia zu bereisen ist leicht. Eigentlich.

Eine Tour, die mich kalt lässt

Bereist man die Cameroon Highlands, ein Naturgebiet in den Hochländern, ist es keine Schwierigkeit eine der mindestens 50 Touren zu buchen, die einem ständig ins Gesicht gewedelt werden, betritt man die Straße. Also gut, Tour für den nächsten Tag gebucht, um 8:30 stehe ich am nächsten Tag bereits auf einer Erdbeerfarm. Sieht das nicht irgendwie ähnlich aus, wie in meinem Garten? Bin ich wirklich nach Asien gefahren, um mir Erdbeeren anzusehen, die ich in unserem hauseigenen Gartenbeet geschätzte 20 Meter von meinem Zimmer entfernt auch pflücken kann? Aber gut, Erdbeeren im Dezember sind ja doch was Besonderes, lasse ich mir einfallen.

Weiter geht's zu einer Honigfarm. Aber auch für diesen Programmpunkt kann ich mich als Österreicherin nicht ganz so begeistern wie die malaysischen Touristen um mich herum. Dass ich den nächsten Stop unserer Tour, eine Teeplantage, ausgerechnet mit einer Engländerin betrat, mit der ich mich im Bus angefreundet hatte, empfand ich als besonders passend. Gemeinsam ließen wir uns in die Geheimnisse der Teeproduktion einweihen, von denen ich aber auch schon mal bei einer ähnlichen Führung im Burgenland gehört hatte. Im Anschluss gab es Scones - gut, die gibt es zwar nicht in Österreich, aber um Scones zu essen hätte ich nicht um den halben Globus fliegen müssen.

Aussicht? Eh schön

Am Nachmittag ging es dann auf einen nahegelegenen Hügel, den ich mit besagter Engländerin und einem übermotiviertem, sehr stereotypischen kalifornischen Jungen hoch lief. Ja, lief. Der Ausblick war, abgesehen von den riesigen, eher uncharmant aussehenden Hotelanlagen, die mitten in der Natur standen, eigentlich schön. Der Weg hinunter mussten wir dann aber noch schneller zurücklegen, weil die Sonne drohte, unterzugehen. Es gibt wirklich angenehmere Orte, an denen ich den Anbruch meines Abends verbringen wollen würde, als mitten im Mini-Dschungel auf einem Berg im Hochland Malaysias.

Noch immer nicht genug von wilden Abenteuern (Ja, meinen Vormittag auf Erdbeer- und Honigfarmen bezeichne ich hiermit als wild) ging es am nächsten Tag in den nahegelegenen Nationalpark Taman Negara. Wenn ich das Wort nahe benutze, spreche ich hier von der Luftlinie. Denn wie sich herausstellte, muss ein nahegelegener Ort keinesfalls eine kurze Reise bedeuten.

Eine Überfahrt mit Hindernissen

Nach sechs Stunden im Minivan, die nicht zu dem Schläfchen einlud, dass ich mir vorgenommen hatte, wurden ein mitreisender Holländer und ich in irgendeinem Kaff mit unaussprechlichen Namen herausgeworfen. Man würde uns in ein einhalb Stunden mit einem anderen Minivan weiterbringen, wir sollten es uns gemütlich machen. Wir wollten keine Energie verschwenden und fragen deshalb nicht, warum wir nicht gleich weiterfahren können und bestellen eine Nudelsuppe. Wie durch ein Wunder ging die Fahrt nach der angekündigten Zeit tatsächlich weiter, doch nach nur zehn Minuten wurden wir an einer winzigen Bootsanlegestelle wieder abgesetzt. Hier sollten wir weiter warten, bis andere Gäste eingetroffen wären und konnten uns seelisch auf die zwei-stündige Bootsfahrt einstellen, die uns bevor stünde. Es handelte sich hier nämlich ganz und gar nicht um ein Fähr-Boot, wie man es vielleicht erwarten würde. Nein, es war ein äußerst schmales, äußerst wackliges und äußerst unsicheres Boot. Jedenfalls keines, das ich mir für eine zweistündige Bootstour mit all meinem Gepäck durch den Dschungel gewünscht hätte.

Nach zwei Stunden panischen Umklammern meines Laptops und Unterdrücken meines Klo-Drangs war die Überfahrt geschafft und wir konnten uns über einen wackeligen Steg (ein angelehntes Stück Holz) auf dem Weg ins Hostel machen.

Niederlage im Dschungel

Am nächsten Tag stand ich top motiviert früh auf um mich für den Grund bereitzumachen, aus dem mein neuer holländischer Freund und ich uns auf den langen Weg hier hergemacht hatten: Den Canopy Walkway. Ein spektakulärer Wanderweg über einige gespannte Seilbrücken durch die Wipfel des Dschungels.

Doch es hatte die ganze Nacht geregnet und die Brücken waren gesperrt. Kein Problem, war ja nur ein kleiner Abstecher hier her, oder? Wir ließen und von der Niederlage nicht beirren und machten wir uns trotzdem auf den Weg in den Dschungel und wanderten herum. Wer braucht schon auf einer Brücke durch Baumwipfel spazieren, wenn man sie auch geschlossen von unten sehen kann?

Eine Nachttour, die mich verändert

Ganz so entspannt war ich auf der Tour durch den Dschungel dann doch nicht. Das mag an der geführten Nachttour liegen, die ich am Abend davor absolviert habe. Im Nachhinein ist mir nicht klar, warum ich diese Tour so sorglos angetreten bin. Schließlich habe ich Todesangst vor etwa 90 Prozent aller Insekten. Aber man reist ja für die Abenteuer, oder? Auf jeden Fall habe ich in dieser Stunde genügend Spinnen, Skorpione und sonstige unangenehme Dschungelwesen für den Rest meines Lebens gesehen. Den Rest gab mir eine riesige Spinne, über die ich achtlos gestiegen bin. Der Holländer, der nach mir in der Reihe war, hatte sie zufällig entdeckt. Warum geht man auf Dschungel-Nacht-Walking-Tour, um Tiere zu sichten, denen man eigentlich auf keinen Fall begegnen will? Und warum begibt man sich am nächsten Tag wieder freiwillig direkt ins Gefahrengebiet? Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist.

Dem Wahnsinn konnte ich am nächsten Tag entfliehen und machte mich nach Penang auf, einer Insel im Norden Malaysias. Es würde zwölf Stunden dauern, sie zu erreichen und es war meine dritte Ganztages-Fahrt in fünf Tagen. Nein, ich habe sie nicht genossen, aber der Weg ist ja angeblich das Ziel, wie man sagt.

PS: Es kann nicht unerwähnt bleiben, dass sich ein Blutegel an mir festgesaugt hat, während ich mich dem Dschungel und seinen Bewohnern wie eine echte Abenteurerin den Dschungel nochmal so tapfer gestellt habe. Man kann sich vorstellen, dass es Dinge gibt, die man lieber unter der Dusche entdeckt...