Die untouristischen Geheimtipps für Bali 

09.12.2017

Sieben Wochen Bali. Ja, man kann sagen, ich habe die Insel recht gut kennengelernt. Doch obwohl ich durch die Freiwilligenarbeit vier Wochen in Ubud verbracht habe, und dort fast jede Ecke kennengelernt habe, und danach noch drei Wochen durch die Insel getoured bin, gäbe es schon noch Material für einige weitere Wochen auf Bali. Wegen des Vulkans Agung, der während meines gesamten Aufenthalts auszubrechen drohte, konnte ich den Osten der Insel leider nicht besichtigen. In dem Sperrgebiet rund um den Vulkan, das während der gesamten sieben Wochen unzugänglich blieb, wären noch einige interessante Punkte gewesen, die ich gerne gesehen hätte. Trotzdem glaube ich behaupten zu können, Bali jetzt recht gut zu kennen, und erlaube mir ein Urteil über die Insel zu fällen. 

Dem Tourismus auf Bali entfliehen

Wenn Leute sagen, Bali wäre touristisch muss ich leider zustimmen. Ja, einige Teile der Insel, vor allem der Süden, sind sehr touristisch und auf angenehmen Tourismus ausgelegt bei dem man von der Kultur nicht viel mitbekommt. Das echte Bali findet man im Süden der Insel nicht. Um das Bali so kennenzulernen, wie es wirklich ist, muss man sich in den Norden der Insel begeben, wo es nicht von Touristenströmen wimmelt. Meine Tage in Lovina im Norden und den umliegenden Orten wurden für mich zum Highlight der Reise, obwohl man mir im Vorhinein dazu geraten hatte, Lovina einfach auszulassen. Zu wenig zu sehen, hieß es. Aber im Norden habe ich das Bali gefunden, dass ich mir vorgestellt habe. Umgeben von endlosen Reisfeldern kann man dort von Naturspektakel zu Naturspektakel fahren. Und ist dort auch noch alleine! Der Ort Lovina an sich ist wirklich keine besondere Schönheit, aber die umliegende Natur ist einzigartig.

Ist ein Ort touristisch, heißt es nicht unbedingt, dass er schlecht sei oder dass man nicht auch dort eine schöne Zeit haben kann. So auch in Canggu. Der Ort im Süden ist quasi ein Disneyland für Backpacker und Surfer und daher nicht Balinesisch oder gar Indonesisch. Aber hin und wieder sind ein paar Tage im Travel-Disneyland doch auch nicht schlecht, oder? Selbst ich, die sich ihr Abenteurer Image behalten will, bin im Laufe meiner sieben Wochen gleich dreimal in den Surfer-Ort gekommen, in dem zu 90 Prozent Australier urlauben.

100 Prozent Indonesien

Schreibe ich über Bali, darf ich Nusa Penida nicht auslassen. Die Insel liegt südlich vor Bali und ist in etwa einer halben Stunde mit dem Boot zu erreichen. Nusa Penida ist wild, untouristisch und naturbelassen. Also genau das richtige, wenn man genug vom australischen Süden von Bali hat. Hier leben die Menschen so, wie im "richtigen" Indonesien. Taxis gibt es keine, eigentlich auch keine andere Möglichkeit sich fortzubewegen außer sich ein Motorrad zu mieten. Oder ein Motorrad mit Driver wozu ich mich entschied.

Wie sich herausstellte, war diese Entscheidung lebensrettend, denn wenn man zu den "Attraktionen" auf dieser Insel gelangen will, muss man seinen Preis dafür zahlen. Und zwar auf unglaublich schlechten Straßen auf dem Weg dorthin, die man eigentlich gar nicht mehr als solche bezeichnen kann. An dem Tag habe ich sicher zehnmal ein Stoßgebet an den Himmel geschickt, dass ich doch bitte heil auf dem Motorrad sitzen bleiben solle. 

Nahtoderfahrungen auf Nusa Penida

Generell hatte ich so einige Nahtoderfahrungen auf Nusa Penida. Die Insel ist tastächlich 100 Prozent Indonesien und nicht touristisch - Es waren also eindeutig noch keine Sicherheitsprüfer oder sondergleichen da, die die Attraktionen auf Sicherheitsvorschriften getestet haben. Nirgends auf der Insel gibt es Sicherheitsabsperrungen, und hätte mich mein Fahrer Gründen beseitigen wollen, hätte es unzählige Möglichkeiten gegeben, mich von einer Klippe zu schubsen.

Um zu einem Wassertempel zu gelangen, musste ich zum Beispiel ganze 30 Minuten auf klapprigen Holztreppen hinunterklettern. Natürlich ohne Absperrung. Einige Treppen waren locker, man konnte sich an manchen Stellen nicht anhalten. Ich musste nicht einmal Höhenangst haben, um mich ziemlich mulmig zu fühlen. Das war nur eine von vier Erfahrungen an einem Tag, die mich etwas dankbarer für die übertriebenen Sicherheitsvorschriften in Europa machten. Die Naturspektakel, die man auf der Insel bewundern kann, machen das Ganze aber auf jeden Fall wert. Nusa Penida ist einer der bemerkenswertesten Orte, an denen ich jemals war! Trotzdem war ich froh, mich nach ein paar Tagen wieder auf Bali zu begeben, und meine Smoothie Bowls in Sicherheit weiter verspeisen zu können.

Ein Park nur für Instagram

Insgesamt hat mir Bali extrem gut gefallen, obwohl ich mich schon bemühen musste, dem Touristischen Teil der Insel zu entkommen. Man kann es nicht glauben, aber es gibt auf der Insel sogar eine Art Instagram Park, wo einige Schaukeln, Neste oder lebensgroße Herz-Körbe nebeneinander aufgebaut sind, nur um das perfekte Instagram Bild schießen zu können. Umgeben ist der Park von unzähligen armen Dörfern, in denen die Wäsche selbstverständlich mit der Hand gewaschen wird, und es kein warmes Wasser gibt. Ich finde, das beschreibt Bali recht gut. 

Im Süden der Insel kann man schnell vergessen, dass Bali in Indonesien und nicht in Australien liegt. Je weiter ich in den Norden gekommen bin, desto mehr wurde ich mit dem belohnt, was ich mir erhofft habe: Balinesen wie sie zwischen Palmen und Reisfeldern leben und sich den Nachmittag mit Fußballspielen vertreiben. So simpel kann es sein, einen Touristen zufriedenzustellen, ganz ohne Avocado Toast.