Vietnam: Von Unten nach Oben

18.01.2018

Vietnam: ein Land, das sich gänzlich von allen Ländern unterscheidet, die ich in Asien bereits bereist habe. Von paradiesischen Sandstränden, zu vibrierenden Großstädten, verlassenen Bergpässen und geschichtsträchtigen Tunnelwelten. Vietnam ist so vielfältig, das man Monate in dem Land verbringen könnte, ohne alles sehen zu können.

Der Süden

Meine Erwartungen an Vietnam waren hoch, was immer gefährlich ist. Normalerweise bemühe ich mich, meine Erwartungen niedrig zu halten, um nicht enttäuscht zu sein, wenn nicht alles so perfekt aussieht, wie ich es mir in meinem Kopf erschaffen habe. Ich flog vom warmen Phuket in einem sommerlichen Kleidchen nach Ho Chi Minh, im Süden Vietnams. Eine Stadt, in der ein Sommerkleidchen definitiv passend war, als im Süden Thailands. Als ich in die Ankunftshalle des Flughafens trat, war ich überwältigt. Selten hatte ich so viele Taxifahrer, Familien und Wartende in einer Ankunftshalle ungeduldig warten sehen. Es sollte ein Vorbote zu dem sein, was mich in Ho Chi Minh vor allem erwarten würde: Menschen. Horden an Menschen. Überall.

Ich hatte es schließlich in die Innenstadt geschafft. Und das, obwohl die Busfahrer hier scheinbar kein Englisch sprachen und ich einen prall gefüllten Rucksack transportieren musste. Eins war mir danach klar: Ich bin eindeutig nicht mehr im entspannten, ruhigen Asien, in dem ich die letzten Wochen in Malaysia und Süden von Thailand verbracht hatte. Ich war in einer geschäftigen Millionenstadt, in der auch ich schleunigst aus meiner Entspanntheit aufwachen musste. Alles in Ho Chi Minh City ist so, wie man es sich in einer asiatischen Großstadt vorstellt. Es ist quasi unmöglich, die Straße zu überqueren, ohne zumindest einmal zu schreien, aus Angst überfahren zu werden. Während der nächsten Tage ging sogar so weit, dass meine Familie und ich Dinge, die uns eigentlich interessiert hätten, nicht näher ansahen, weil sie sich auf der anderen Straßenseite befanden, und wir unser Leben nicht aufs Spiel setzten wollten.

Zentralvietnam

In den ersten Tagen in Vietnam besuchten meine Familie und ich neben Ho Chi Minh Stadt ein kleines Dorf am Mekong Fluss und fuhren weiter nördlich um uns zwei Badeorte mit paradiesischen Stränden anzusehen, die aber wenig Spannendes zu bieten hatten. Schließlich begaben wir uns nach Zentralvietnam. Ach, Zentralvietnam, oder besser gesagt: Ach Hoi An. Ich war begeistert von dem Städtchen, das am Wasser liegt und wie eine Backpacker-Oase wirkt. Das Besondere an dem entspannten Ort: Wenn die Sonne untergeht, gehen die Lichter der Stadt auf, und die Straßen werden von unzähligen Laternen beleuchtet. Ein Spektakel, das ich so noch nie gesehen habe, und definitiv zu den Highlights meiner Reise zähle. Wohin man auch blickte, sah man Papierlaternen in den verschiedensten Farben, Formen und Größen hängen. Die Stadt war erleuchtet in allen erdenklichen Farben. Ja, es war genauso wunderbar kitschig wie ich es gerade beschreibe.

Die Stadt gehört sogar zu meinen Lieblingsorten in ganz Asien. Mehr dazu hier und um weitere Lieblingsorte in Asien kennenzulernen hier. 

Als Nächstes ging es nach Hue, wo wir den Großteil der Zeit damit verbrachten, Tempel anzusehen. Es mögen schöne, beeindruckend und geschichtsträchtige Tempel gewesen sein, und ja, wahrscheinlich sollte ich mich ein bisschen kulturinteressierter geben. Aber nach dem sechsten Tempel wirken die darauffolgenden nun mal leider nicht mehr so interessant. Wunderschöne, detaillierte Verzierungen, schön und gut, ist ja auch echt beeindruckend, aber so viele Unterschiede zwischen Tempel acht und neun, kann ich nicht aufzählen. Aber gut, so eine Tempel-Überdosis, gehört doch eigentlich fast schon zu einem Asienurlaub dazu, oder? 

Der Norden

Alle Tempel hinter uns gelassen, ging es für die letzte Station der Reise in den Norden, nach Hanoi. Die zweite Millionenstadt in Vietnam würde sie sich von Ho Chi Minh unterscheiden? Oh ja, Hanoi ist völlig anders als Ho Chi Minh, die im Süden Vietnams liegende Stadt. Hanois Altstadt ist wegen ihrer französischen Vergangenheit sehr europäisch, trotzdem vergisst man nie, dass man sich hier in Asien befindet. Besonders interessant fand ich ebendiesen europäischen und asiatischen Mix in der Stadt. Außerdem ist das Stadtzentrum voller junger Backpacker und hat eine auf diese Zielgruppe ausgelegte Barszene. Hanoi ist einer der Orte, die ich definitiv nochmal besuchen will, diesmal aber mit Rucksack, da ich das Gefühl habe, dass die Stadt am besten fürs Backpacken geeignet ist. 

Die Tatsache, dass ich mit Rucksack unterwegs war, ging aber Hand in Hand mit einer neuen Entdeckung. Der Norden Vietnams ist kalt. Ganz schön kalt, wenn man drei Flatterhosen und einen Pulli als Gepäck für kalte Tage dabei hat. Ich muss an der Stelle aber darauf hinweisen, dass mein Empfinden für Kälte aber nicht mehr das repräsentativste ist. Schließlich befand ich mich zu dem Zeitpunkt schon acht Monate lang in Ländern mit warmen Temperaturen. Aber auch das Verhältnis der Vietnamesen zur Kälte ist fragwürdig. Ja, kalt war es schon, aber nicht so kalt, dass ich, wie der Großteil der Vietnamesen, in Winterjacken mit Fell herumlaufen würde. Für Vietnamesen gelten die Temperaturen um 15 Grad scheinbar als tiefster Winter. Wobei der Himmel eher an einen sehr trüben, deprimierenden Novembertag erinnert. Grau. Grau Grau. Zeigte sich die Sonne einmal, galt es als Wunder. Ganz anders als im Süden von Vietnam, wo wir ein paar Tage vorher noch am Strand lagen.

Vietnam ist vielseitig, so vielseitig, dass ich gerade tatsächlich einen ganzen Absatz über das Wetter geschrieben habe. Man sollte meinen, als junge, abenteuerliche Backpackerin, gäbe es weltbewegender Dinge, über die ich berichten will. Aber das ist ok, da die zwei Wochen Vietnam mit meiner Familie ja ein wenig als Backpacking Pause dienten. Aber nach 14 Tagen Pause vom Rucksacktourismus schnalle ich mir meinen Rucksack wider motiviert um und weiß, dass er Vietnam sicher nicht zum letzten Mal gesehen hat.

Mehr zu meiner Backpacking-Pause hier