Wegen Corona - unsere Flucht aus Sri Lanka

15.12.2020

Das 2020 ein schwieriges Jahr für Viele war, ist klar. Besonders die Reise- und Tourismusbranche litt in diesem Jahr, und wird es wohl noch weit ins nächste Jahr tun. Auch mein Reisejahr verlief anders als gedacht. Angefangen mit einer abenteuerlichen Evakuierung aus Sri Lanka im März.

2020 ein Jahr, dass ich so schnell nicht vergessen werde

Als ich Anfang März in einen Flieger stieg, der mich nach Sri Lanka bringen sollte dachte ich nicht, dass Corona zu einem Problem werden würde. Am Tag vor der Abreise tanzte ich noch in einem Club, um den Beginn meiner Semesterferien zu feiern. Es sollte das letzte Mal in diesem Jahr werden.

Neun Tage verbrachten mein Freund Henri und ich in Sri Lanka, ohne uns Gedanken über das Virus zu machen. Als am 12. März verkündet wurde, dass die ersten Vorlesungen des neuen Semesters vorerst online stattfinden würden, waren wir zufrieden. So konnten wir noch länger auf Sri Lanka bleiben. Doch von da an passierte jede Stunde etwas Neues und die Freude schlug bald in Panik um.

Ohne WLAN keine News

Oft wachte ich früh auf, um die Nachrichten zu checken. Aufgrund der Zeitverschiebung passierte in der Zeit, in der wir schliefen meist unglaubliches. Da wir keine örtlichen SIM-Karten gekauft hatten, waren wir auf WLAN angewiesen, wenn wir wissen wollten, wie sich die Situation veränderte. Und das tat sie, wie ihr bestimmt mitbekommen habt, alle paar Stunden. Ich hatte Angst, auf mein Handy zu schauen, wenn wir nach ein paar Stunden ohne WLAN wieder in unsere Unterkunft zurückkamen.

Am berühmten Freitag, den 13. März, als in Europa der Lockdown verkündet wurde, brachen wir mitten in der Nacht auf, um auf Safari zu gehen. Wir fuhren erst ein paar Stunden in den Süden und dann durch den Safari-Park. Mehr dazu hier. Während wir danach weiter in den Süden der Insel zu dem Ort und der Unterkunft fuhren, in der wir die nächsten Nächte verbringen wollten, war klar, dass man sich zu Hause in Europa nicht mehr frei bewegen konnte. Wir hatten den ganzen Vormittag kein WLAN gehabt.

Die Grenzen sind zu und wir in Sri Lanka

Die nächsten zwei Nächte schliefen wir im kleinen Strandort Hiriketiya, versuchten zu surfen und zu entspannen. Wenn wir am Strand waren, suchte ich mir nun immer die Liegeplätze aus, die nahe einer Strandbar standen, die WLAN hatte. Ich schickte meinen Eltern Bilder vom surfen, sie schickten mir eine Dosis Panik zurück und berichteten über die Realität in Europa.

Wir saßen am einsamen Strand von Talalla, als die Grenzen zwischen Österreich und Deutschland geschlossen wurden. Das war's, dachte ich. Als Österreicherin, die zwar im Deutschland wohnt, jetzt aber im Ausland ist, wird das Ganze von nun an für mich zum Drama. Panisch suchte ich nach Flügen und fand keine. Jedenfalls keine, bei denen wir uns sicher sein konnten, dass die Verbindungsflughäfen nicht bereits geschlossen waren. Moskau und andere Flughäfen seien zu, hieß es in den Medien, Flüge über diese Standorte wurden aber weiterhin angeboten. Wir konnten nichts tun und versuchten uns zu beruhigen. Währenddessen wurden die panischen Nachrichten von Freunden und Verwandten aus Europa mehr.

Wir saßen fest

Am nächsten Tag fuhren wir nach Mirissa einen Surferort, von dem wir außer unserem Hostel nichts gesehen haben. Als ich mich nämlich dort das nächste Mal ins WLAN einloggen konnte, hatte ich das Gefühl, die Welt sei bereits eingestürzt und es gab keinen Weg mehr für uns, raus aus Sri Lanka zu kommen.

Henri und ich fassten einen Beschluss: Weil unsere Anfragen unseren Flug über London nach Berlin umzubuchen, der erst in einer Woche fliegen sollte, unbeantwortet blieben, wollten wir zum Flughafen fahren. Dort stand eines der wenigen Büros der Fluglinie, mit der wir gebucht hatten und im Zweifelsfall konnten wir vielleicht dort einen Flug buchen. Konnten wir nicht. Auch zum Umbuchen war es zu spät, alle Sitzplätze auf den Flügen der nächsten Tage waren bereits besetzt.

Die Rettung kommt aus Dubai

Ich weiß nicht, wie die nächsten Tage verlaufen wären, hätte ich nicht einen Bekannten, der eine wichtige Position bei einer anderen Fluglinie innehat. Er konnte in das Buchungssystem einsehen und wusste, dass wir keine Chance auf einen Flug nach Deutschland hatten. In den letzten Tagen hatten wir die Idee bereits aufgegeben, nach Berlin fliegen zu können und schauten nach Flügen in alle deutschen Städte. Stattdessen konnte unser Retter zwei Plätze auf einem Flug über Dubai nach Wien ergattern. Ich weinte vor Erleichterung.

Die nächsten zwei Tage in Sri Lanka waren hart. Lies mehr dazu hier.

Wir waren uns unsicher, ob tatsächlich alles klappen würde. Schließlich waren die Grenzen zwischen Österreich und Deutschland zu und Henri wollte als Deutscher nach Österreich einreisen - wenn auch nicht auf dem direkten Weg. Eigentlich hatten wir nicht erwartet, dass unser Flugzeug von Dubai aus tatsächlich nach Wien abheben würde und hatten uns schon mit der Möglichkeit auseinandergesetzt, die nächsten Monate in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu verbringen. Aber wir flogen, kamen an und über die Grenze und am nächsten Tag schließlich auch nach Berlin. Wir hatten es nach Hause geschafft.