Wie es sich anfühlt, wenn einem ein Elefant auf den Fuß steigt

27.01.2018

Bevor ich beschlossen habe, nach meinem Schulabschluss reisen zu wollen, wusste ich so gut wie gar nichts, außer dass ich nach Thailand wollte. Auch von Thailand wusste ich nichts, außer, dass ich unbedingt nach Chiang Mai musste. Um dieses Städtchen um Norden von Thailand hat sich also meine gesamte Reise wie ein Puzzle zusammengesetzt. Ich habe Stunden um Stunden in meinem Zimmer in Wien gesessen und recherchiert, um mehr über Thailand zu erfahren, außer dass Chiang Mai nett sein soll. Trotzdem blieb das Städtchen für mich ein Sehnsuchtsort. Hätte ich es einmal nach Chiang Mai geschafft, wäre mein Backpacker-Traum in Erfüllung gegangen.

Erste Anlaufstelle: Nachtmarkt

Man kann sich also vorstellen, dass meine Motivation nicht allzu gering war, als ich in Chiang Mai aus dem Flieger stiegt. Mein Rucksack und ich hatten es tatsächlich geschafft! Nach dem Einchecken im Hostel ging es sofort auf den Nachtmarkt, wo sich Essenstände aneinander reiten. Wer hätte gedacht, dass ich mich an meinem ersten Abend in Thailand auf Pad Thai stürze, hätte ich doch zwei Wochen davor Geld gezahlt, keine weitere Portion des Nudelgerichts essen zu müssen.   

Abenteuer Elefantenbesuch

Am nächsten Tag traf ich mich mit Henri, einem guten Freund, den ich auf der Reise kennengelernt hatte. Kennengelernt haben wir uns im Malaysischen Dschungel, was, wie ich finde, abenteuerlich genug ist um hier Erwähnung zu finden. Um dieses Statement noch mehr zu unterstreichen, wollten wir in Chiang Mai Elefanten in der Wildnis besuchen. Gut ganz so wild war es dann doch nicht, aber die Elefanten hatten tatsächlich die Möglichkeit sich auf einem riesigen Gelände frei bewegen zu können - auch in die Hütte, in der wir unser Mittagessen einnahmen, wo sich zu uns gesellten und Essen stibitzten.

Wir wurden direkt ins Elefanten-Abenteuer reingestürzt. Angekommen an der Station für Elefanten hatten wir gerade unsere Rucksäcke abgestellt, da wurden uns schon Taschen mit Zuckerrohr in die Hand gedrückt, mit denen wir die Elefanten füttern sollten/durften/mussten. Ohne jegliche Vorbereitung befanden wir uns plötzlich zwischen zwei Giganten und einem kleinen Babyelefanten, die ihre Rüssel gierig nach unseren Snacks ausstreckten. Eigentlich schon ziemlich unheimlich, dachte ich mir in dem Moment, in dem ein riesiger Rüssel nach dem Zuckerrohr schnappte, das ich fest umklammert in meiner Hand hielt. Lieber nicht darüber nachdenken, auf wie viele Arten mir dieser Elefant jetzt wehtun könnte. Ich ahnungslose Touristin war ernsthaft mit Flipflops hergekommen. .

Wir wissen es wegen der Flatterhosen, Rucksackmotiven und buchstäblich jedem käuflich erwerbbaren Souvenir aus Asien: Elefanten sind cool! Aber ich hatte keine Ahnung, wie cool diese Riesen wirklich waren! Was für ein unglaubliches Erlebnis die faltigen Tiere aus nächster Nähe zu streicheln! Da wir ja beide doch zwei europäische Touristen waren, brauchten wir natürlich auch Fotobeweise, dass wir tatsächlich gerade den Nachmittag mit Elefanten als Spielgefährten verbringen. Bei meinem Selfie mit dem Babyelefanten wählte ich meine Position vorsichtig aus, und entfernte mich nach dem Schuss schnell wieder von dem Elefanten.

Ein Elefant mag keine Grenzen

Henri aber wurde von unserem Tourguide dazu ermutigt, sich vor den Babyelefanten hinzuknien. Henri witterte wohl den Instagram Schuss schlechthin und tat wie im Geraten. Das sollte sich als Fehler entpuppen, dem Elefanten war es nämlich egal, das er gerade Instagram-Follower zu begeistern hatte, und spazierte ein bisschen herum. Auch egal dabei war ihm wohl, dass sich Henris Fuß in seinem Spazierweg befand und trat einfach, wenn auch nicht mit vollem Gewicht drauf.

Dann war die like-Anzahl unter dem perfekten Selfie für einen Moment egal und Henri sprang auf, um dem Babyelefanten den gewünschten Bewegungsfreiraum zu geben. Auf die Frage, ob es denn sehr wehtat, antwortete er mit der treffenden Aussage, dass ihm gerade ein Elefant auf den Fuß getreten war, also ja, schon ein bisschen.

Nachdem unsere neu gefundenen Freunde, die wir jetzt doch wieder mit etwas mehr Ehrfurcht betrachteten, für all unsere Fotos posiert hatten, war es Zeit für eine Dusche für die Riesen. Wir spritzen mit Wasserkübel auf die Elefanten, bis sie wieder Schnee-ähhh-grau waren. Doch nachdem wir mit dem Wasserspaß fertig waren und ihnen wieder den Rücken zugekehrt hatten, mussten wir vollen Entsetzens feststellen, dass sich unsere grauen Freunde direkt nach dem Fluss an die wohl dreckigste Ecke des Areals begeben hatten, und sich dort freudig in Dreck wälzten. Binnen Minuten waren ihre Rücken voller oranger Erde und unsere Waschaktion wurde wieder rückgängig gemacht. Die nächsten Touristen müssen ja auch was zu tun haben.